Crazy Country
Der Gestank der Besatzung
Von Adam Keller und Roy Wagner
Ich war letzten Freitag selbst dort in Bilin, aber ich will beim Berichten nicht mit Roy Wagner in Wettstreit treten:
Eine komplexe logistische Operation brachte über 300 Leute aus Israel nach Bilin zum 5. Jahrestag der ( gewaltfreien) Demonstrationen. Trotz mehrerer Versuche gelang es der Armee, nur eine kleinen Anzahl von Autos daran zu hindern, ins Dorf zu fahren. Die Demonstranten schlossen sich radikalen Clowns, einem palästinensischen Ministerpräsidenten, den Ka/ya-Samba-Schlagzeugern, Vertretern verschiedener palästinensischer Parteien an
Die palästinensische Kampfmarsch-Band der Jugend, ein Bürgermeister aus Genf, Dutzende von Journalisten und Unterstützer aus ganz Palästina und anderen Teilen der Welt kamen , um ihre Solidarität mit der einheimischen Bevölkerung von Bilin in ihrem Kampf gegen die Übel der israelischen Besatzung zu zeigen.
Nach einer Reihe von Reden in verschiedenen Sprachen und einer gedrängten Sitzung der palästinensischen Band und der Schlagzeuger, die zwischen Mauer und Meer wohnen - marschierten über 1000 auf die Mauer zu. Die Soldaten standen auf ihrem üblichen Posten. Die Demonstranten gingen voran, durchliefen das Tor, bogen den Zaun nieder, überquerten ihn und marschierten hinüber zum Frontposten der Soldaten.
Nach ein paar Minuten Ekstase- während einige Würdenträger ihren Weg still weiter gingen, überraschte die Armeekanone "Stinktier" mit dem Stinkwasser und brachte es fertig, die Demonstranten wieder hinter den Zaun zu jagen. Nachdem die Demonstranten vom widerlich stinkenden Wasser vertrieben worden waren, kam der typische Ausdruck von Unterdrückung: die Armee benützte ihre speziellen Tränengaskanonen und feuerte gleichzeitig Dutzende von Gaskanistern nicht zu den wenigen in der vordersten Linie ab, sondern zu den Hunderten weiter hinten, die friedlich im Hintergrund standen.
Der Wind, der voller Tränengas mit den in Panik geratenen, unerfahrenen Demonstranten den Pfad herunter kam, brachte viele Verletzte mit, die das Gas eingeatmet hatten oder gestürzt waren. Nach der anfänglichen Auflösung blieben einige Demonstranten und absorbierten ??? um des Kampfes willen große Mengen an Gas. Als die letzten Demonstranten auf dem Heimweg waren, überfielen - wie es in letzter Zeit üblich war - ein paar Soldaten das Dorf. Aber wegen der Präsenz so vieler Unterstützer gab es noch eine Runde Tränengas, sodass die Soldaten in ihrem eigenen Gestank den Rückweg antreten mussten. (So weit Wagner)
Gestern hatte die israelische Regierung ein Spezialtreffen in Tel Hai, um über eine Reihe von nationalen Stätten zu entscheiden, die für Erhaltung und Pflege besondere Regierungsgelder erhalten sollen. Nach Ministerpräsident Nethanyahu sei es wichtig, dass die Bürger Israels diese Stätten besuchen, um besser die Verbindung zum Land zu verstehen.
Vielleicht wäre es auch sinnvoll das Stinktier mit in die Liste des Erbes zu nehmen, damit alle Bürger mit eigenen Augen sehen und mit der eigenen Nase riechen, wie die Art der Beziehung des Staates Israel zu den besetzen Gebieten ist und wie die Menschen dort unter ihrer Kontrolle leben.
Als ein Auge - oder besser Nasenzeuge kann ich tatsächlich bestätigen, dass das Stinktier einen Gestank verbreitet, der an ein Feld erinnert, das mit organischem Dünger gedüngt wurde. Diejenigen, die direkt getroffen wurden, müssen ihre Kleidung mehrfach sehr, sehr gründlich waschen - und selbst dann ist der Gestank der Besatzung noch nicht vorüber.
adam-Keller2.blogspot.com, 28.02.2010
(dt. Ellen Rohlfs)