Ellen Rohlfs, wohl jedem bekannt, der in Deutschland die Politik und Praxis des Staates Israel gegenüber den Palästinensern kritisch beobachtet, hat nach ihren Büchern "Die Kinder von Bestelltem" und "Sag Mutter, wie sieht Frieden aus?" ein neues Buch vorgelegt. Eine Dokumentation, erschienen im Selbstverlag - denn welcher deutsche Verlag kann sich mit dem Staat Israel und den deutschen Zionisten so rücksichtslos anlegen, ohne seine Existenz zu gefährden? (Sogar die mächtigen katholischen Bischöfe haben den Rückzug angetreten, nachdem sie unter dem Druck des Faktischen an der unheiligen Mauer im Heiligen Land und im Ghetto von Ramallah Gefüh-le gezeigt hatten.) Ellen Rohlfs ist eine unermüdliche Übersetzerin von Texten aus Palästina und Israel, sie ist die deutsche Stimme Uri Avnerys, die autorisierte Übersetzerin seiner allwöchentlich erscheinenden analytischen und bissigen Kommentare zur aktuellen Situation (http://www.uri-avnery.de/). Sie ist die deutsche Vertreterin der israelischen Friedensgruppe Gush Shalom; Gründungsmitglied von ICPPP (Internationales Committee for Protection of Palestinian People, Sektion Deutschland) und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande [www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Stimmen_deutsch/ellen_rohlfs_israel_palaestina.htm].
"Nie wieder?" fragt die Autorin, und "Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?". Damit verstößt sie schon gegen die political correctness, denn man sagt nicht "Mauer" - Vergleiche sind bei Zionisten
unerwünscht, und die knapp vier Meter hohe "Berliner Mauer" sollte man wirklich nicht mit dem acht Meter hohen "antiterroristischen Schutzzaun" vergleichen. Die dritte Frage dürfte Ellen Rohlfs jede Chance auf eine
Einreiseerlaubnis in diesen Staat Israel nehmen: "'Nur' Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender
Völkermord?"
Die Autorin nennt ihre Broschüre "Eine Dokumentation", sie bietet aber mehr als dies.
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten findet der Leser eine umfangreiche Dokumentation zu den
Verstößen Israels gegen das Völkerrecht und eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob der Terminus
"Völkermord" für die israelische Politik der Vertreibung, Diskriminierung, Unterdrückung und schleichenden
Ausrottung der Palästinenser zutrifft. Im zweiten Teil findet der Leser Beiträge israelischer, palästinensischer und
jüdischer Autoren bzw. Organisationen. Im dritten Teil stellt Ellen Rohlfs eigene Arbeiten vor: neben Gedichten zwei Texte: "Von Mauern und Zäunen" (2003) und "Gedanken nach dem Massaker von Hebron und zum
Weltgebetstag der Frauen, 1994".
Man kann das Buch nicht ohne Bewegung lesen. Auch wenn man fast alltäglich aus Quellen, die nicht der mehr oder weniger freiwilligen Selbstzensur unterworfen sind, vom Leiden der Palästinenser und von dem ungleichen Kampf zwischen ihnen und ihren Besatzern liest, ist man aufs neue schockiert von der kommentierten
Zusammenfassung - und mehr noch das Verschweigen, die stillschweigende Billigung oder gar die lautstarke Rechtfertigung der Politik Israels in der Bundesrepublik.
Dr. Ernst Herbst
"Nie wieder!"? - Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina? "Nur" Verbrechen gegen die
Menschlichkeit oder schleichender Völkermord?- Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs". Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs@freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10:00 €.
www.freunde-palaestinas.de, 15.03.2007