Weihnachtsbotschaft des Präsidenten des Staates Palästina Mahmoud Abbas

Wirft man einen Blick auf Bethlehem, ist man zwangsläufig geschockt von der erstickenden Realität, die diese Stadt gezwungen ist zu erdulden. Umgeben von 22 israelischen Siedlungen und radikalen Siedlern; das Stadtgebiet geschrumpft auf nunmehr 13 Prozent seiner eigentlichen Größe wegen der übergriffigen Realität des israelischen, einseitigen Handelns.



Zum ersten Mal innerhalb von 2000 Jahren des Christentums in unserer Heimat, sind die heiligen Städte Bethlehem und Jerusalem durch israelische Siedlungen, rassistische Grenzwälle und Checkpoints vollkommen voneinander abgeschnitten.

Die Landschaft, das Erbe und das soziale Gefüge Bethlehems sind belagert und in Gefahr. Nichtsdestotrotz soll die Stadt Bethlehem bleiben wie sie seit 2000 Jahren gewesen ist, eine Stadt die Hoffnung und den Frieden der Menschheit ausstrahlt. Aus dem Grund weil Bethlehems Identität als Geburtsort Christus nicht nur eine Frage von Geschichte und Glauben ist; es ist eine Identität und ein Erbe, das Palästina stolz ist zu besitzen.

Wir feiern Bethlehem, eine Stadt reich an Welterbe-Stätten und wo der Wille in Stolz und Würde zu leben auch, als unüberwindbar anmutende, Hindernisse, bewältigte.

Unser Alltag unter einer brutalen Besatzung prüft unseren Glauben an die Menschlichkeit jeden Tag. Aber wir überstehen, immer. Aus diesem Grund ist Bethlehem eine Erfolgsgeschichte auf die Palästina zutiefst stolz ist. Ungeachtet der Apartheid-Herrschaft durch die kolonialistische Mauer, illegalen Siedlungen und der Unterdrückung, halten die Bürger Bethlehems weiter durch.

In Bethlehem widerstehen wir der Unterdrückung mit Liebe, wir trotzen der Unterdrückung mit Stolz; wir errichten die Institutionen unseres Staates und entwickeln unsere Infrastruktur trotz der Zerstörungsmaschinerie der Besatzung.

Mit Hoffnung und unerschütterlichem Glauben an unsere Rechte auf nationale Freiheit und Wohlstand, demaskieren wir die Hässlichkeit von Rassismus und Erniedrigung durch Leben, Gebet und Kunst.

Wahrscheinlich gibt es kein leuchtenderes Beispiel für die Kraft von Hoffnung und Glauben, als das der gewaltlosen Bewegung der Einwohner Beit Jalas, die fortfahren Israels Aktionen des Landraubs, des Mauerbaus in ihrer Stadt zu widerstehen, welche nun die cremisanische Gegend bedrohen.

Jeden Freitagnachmittag verrichten sie ihre Gebete inmitten genau jener Olivenbäume welche Israel plant zu konfiszieren, um die illegale Mauer zu bauen; Bäume die seit Jahrhunderten von 58 palästinensischen, christlichen Familien abgeerntet werden. Und jeden Freitag wächst die Zahl der Menschen aus ganz Palästina und weiter weg, die diesen Gebeten beiwohnen, deren Botschaft der Hoffnung und der Kraft hallt wider jenseits der Grenzen der Mauer Israels. Ich rufe euch alle auf, diese Gebete zu erhören und mitzuhelfen einer zusätzlichen, drohenden Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen.

An dieses Jahr wird man sich erinnern, als das Jahr in dem Palästina mit überwältigender Unterstützung als Staat anerkannt wurde. Wir stellen uns der Welt mit einem Moment der Wahrheit: unser fortwährendes Werben um Freiheit und um volle UN-Mitgliedschaft ist eine Möglichkeit für die internationale Gemeinschaft dem Staat Palästina Recht zu tun und ihm sein lange überfälliges Recht auf eine Zukunft in Freiheit und Wohlstand zuzugestehen. Die Welt hat lange seine Unterstützung für die Zwei-Staaten-Lösung versprochen. Wir gingen zur Welt, repräsentiert von der UN, um dieses Versprechen in die Realität zu übersetzen.

Durch Hoffnung bewahrten wir unser Heimatland und unsere Rechte vor der vernichtenden Niederlage, beigebracht durch die Macht einer militärischen Besatzung, die uns unsere grundlegendsten Rechte verwehrt. Mit Ihrer Unterstützung können wir die Zweistaatenlösung erhalten und eine bessere Zukunft aufbauen, wo Hoffnung letztendlich in Wohlstand erblühen kann - und nicht nur die Identität einer Nation erhalten kann.

An dieser Stelle möchte ich den 133 Ländern meinen Dank aussprechen, die den mutigen Schritt unternahmen, den Staat Palästina in den Grenzen von 1967 anzuerkennen. Zu diesen sage ich, Ihr standet auf der richtigen Seite der Geschichte, indem Ihr einen Schritt unternahmt der Gerechtigkeit verteidigt und Frieden bewahrt. Wir rufen den Rest der Welt auf diesem Beispiel zu folgen und Frieden nah an die Verwirklichung zu bringen.

Meine Damen und Herren, Christen aus aller Welt und distinguierte Pilger, die unser Land besuchen. Wenn Sie Bethlehem betreten, dann entweder durch die Mauer oder durch einen israelischen Militärcheckpoint.

Jene die Bethlehem erlebt haben, wurden, wie immer, durch die Gastfreundschaft unsere Bürger willkommen geheißen. Viele von Euch haben diese Gemeinschaft durch euren unschätzbaren Beistand und eure Kooperation unterstützt.

Und da wir eure Investition in die Zukunft Bethlehems wertschätzen, rufen wir euch alle auf in den Frieden zu investieren und die notwendigen, couragierten, politischen Aktionen zu unternehmen; mit eurer Hilfe können wir sicherstellen, dass wir zum nächsten Weihnachtsfest befreit sein können von der Bitterkeit eines Lebens, welches durch Ungerechtigkeit und Unterdrückung gefesselt ist.

Zum nächsten Weihnachtsfest, wünscht sich der Staat Palästina die zeitlose Botschaft von Liebe, Gerechtigkeit und Frieden, welche der Prinz des Friedens vor mehr als 2000 Jahren nach Palästina und zur Menschheit brachte, zu erfahren, nicht bloß auf dessen Verwirklichung zu hoffen.

Bethlehem, 25. Dez. 2012