Wasser bedeutet Leben

Rund 200.000 Palästinenserinnen und Palästinenser haben keinen Zugang zu fließendem Wasser. Während Israel in den Siedlungen Felder mit Sprinkleranlagen bewässert, Gartenlagen und Swimmingpools unterhält, verweigert es der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten das Recht auf Zugang zum Wasser.

Die israelische Besatzungsarmee hat wiederholt Wasserspeicher und Bewässerungssysteme in palästinensischen Dörfern zerstört und sogar verhindert, dass die Bevölkerung Regenwasser sammeln kann.

Israel beansprucht mehr als 80 Prozent des Wassers vom Berg Aquifer. Dies ist die einzige Wasserressource für die Palästinenserinnen und Palästinenser in der Westbank. Im Gegensatz dazu verfügt Israel über weitere Quellen und beansprucht auch das Wasser aus dem Fluss Jordan.

Für die Palästinenser ist Wasser ein teures Lebensmittel. Von dem ohnehin kargen Einkommen der palästinensischen Bauern und Hirten geht oft bis zu vierzig Prozent für Wasser drauf.

Viele Dörfer in den von Israel besetzten Gebieten sind – anders als die israelischen Siedlungen – nicht an das Netz angeschlossen und müssen Wasser in Containern kaufen. Das ist teuer.

In den verarmten Regionen im Süden von Hebron muss eine palästinensische Familie deshalb umgerechnet sieben bis zehn Euro pro Kubikmeter zahlen. Der Wasserpreis für israelische Privathaushalte beträgt knapp 90 Cent. Von dem ohnehin kargen Einkommen der palästinensischen Bauern und Hirten geht oft bis zu vierzig Prozent für Wasser drauf.

Laut einem Anfang des Jahres veröffentlichten Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem verbrauchen Palästinenser im Westjordanland täglich etwa 73 Liter; im Norden sind es demnach in manchen Orten sogar nur 37 Liter.

Den Pro-Kopf-Verbrauch in Israel beziffern die Menschenrechtler auf zwischen 211 und 242 Liter – mindestens drei Mal so viel wie in den palästinensischen Gebieten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt als ein Minimum täglich 100 Liter; dabei ist aber auch der Verbrauch in Krankenhäusern, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen eingerechnet.

Die große Wasserknappheit zeigt sich besonders im Jordantal, das landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Dort verbrauchen die knapp 10.000 israelischen Siedler nach Angaben von Menschenrechtlern rund ein Drittel des im Westjordanland zur Verfügung stehenden Wassers. Die jährlich insgesamt 45 Millionen Kubikmeter Wasser entsprächen knapp einem Drittel der Menge, die die 2,5 Millionen Palästinenser im gesamten Westjordanland konsumieren können.

Die wachsende Bevölkerung in den Palästinensergebieten leide deshalb unter einer großen Wasserknappheit, heißt es bei Betselem.

Selbst in den Städten fließt oft nur einmal in der Woche Wasser aus den Leitungen. Die israelischen Siedler im Jordantal sind dagegen in der Lage, das ganze Jahr über Landwirtschaft zu betreiben; ihre Produkte exportieren sie auch nach Europa.