Kerry und Schultz unter Beschuss

Ganz sicher sind Israels ‘Führer’ nicht sehr glücklich mit dem US-Außenminister John Kerry dem EU-Parlamentspräsident Martin Schultz. Betrachtet man die bekannte ‚Logik’ Israels, so hat NIEMAND das Recht Israel zu kritisieren oder gar zu erzählen, was dieser jüdische Gottesstaat zu tun hat. Schon gar nicht deutsche EU-Vertreter. Als Schultz von den palästinensischen Wasserrechten und der diskriminierenden Zuteilung des lebensnotwendigen Wassers durch die Besatzungsbehörden an diese sprach, wurde seine Rede von israelischen Knessetabgeordneten boykottiert. Zuerst war es die harsche Kritik daran, dass Schultz die Frechheit besaß, seine Rede in deutscher Sprache zu halten. Einer verhassten Sprache; aber erst als er auf die Rechte der Palästinenser zu sprechen kam!         Zu jeder anderen Gelegenheit – vor allem wenn es Milliarden Deutsch-Marks (oder später Euronen) zur ‚Wiedergutmachung’ von Nazi-Verbrechen und ab und zu ein HighTec-Uboot regnete – liebt man diese Sprache schon!

Deutschland war von Anfang an eine leicht zu melkende Kuh; aber wenn einer Deutsch redet und wenn es dabei um israelische Verletzungen von Rechten der Palästinenser geht, sieht das alles ganz anders aus. Tatsächlich hat Herr Schultz einen Teil der Zumutungen angesprochen, denen die Palästinenser seit Jahrzehnten ausgesetzt sind. Die ganze Welt sollte immer fleißig nach Zions Pfeife tanzen und blind den geistigen Ausdünstungen israelischen staatlichen Grundverständnisses von einem ‘von Gott gegebenem Land’ – einem ‚versprochenen Land’ – folgen. Demzufolge muss auch die Doktrin der ‚Sicherheit’, des Rechts auf unbegrenzte Expansion und neuerdings der Stationierung israelischer Truppen im Jordantal akzeptiert werden. Das ‚jüdische’ an diesem Staat – ungeachtet der seit 2 Jahrtausenden in Palästina lebenden christlichen Gemeinschaften und seit 1300 Jahren auch der muslimischen  – muss widerspruchslos hingenommen werden. 

In einer Stellungnahme der palästinensischen Wasserbehörde wurde Schultz’ Rede in der Knesset untermauert. Sie bestätigt dass Israel und seine illegalen Siedlungen in der Westbank 80% der Palästinensischen Wasserresourcen ausbeutet und die Palästinenser entgegen allen internationalen Gesetzen von ausreichender Verfügung über ihr eigenes Trinkwasser abschneidet. Diese mehr als kritische Situation verhindert jede sinnvolle Entwicklung des Wassersektors in den besetzten Gebieten (nicht nur im Gazastreifen); sie hemmt jede ökonomische und landwirtschaftliche Entwicklung in den letzten palästinensischen Gebieten.

Die negativste Auswirkung der Wasserrestriktionen ist besonders im landwirtschaftlichen Sektor zu verzeichnen, der 11% des Nationaleinkommens erwirtschaftet. Die für die Bauern in der Westbank zur Verfügung stehenden Wassermengen betragen ca. 51 Mio. Kubikmeter (Palästinensisches Statistikbüro - 2011) – während israelische Farmer im gleichen Zeitraum 1043 Kubikmeter Wasser verbrauchen (Israelisches Statistikbüro). Weiter heißt es, dass Palästinensern pro Tag etwa 73 Liter zur Verfügung stehen, während israelische Bürger 242 Liter pro Tag verbrauchen (Israelisches Statistikbüro). Andererseits erreicht der Verbrauch der Siedler in der Westbank 800 Liter pro Tag und Mann – das 12-fache der den Palästinensern zur Verfügung stehenden Menge (B’tselem 2011).

Fakt ist auch, dass der Unterschied zwischen den verbrauchten Wassermengen Palästinensern und Israelis immer größer wird. Das sollte bei Gesprächen zu diesem Thema vergessen werden: dass Palästinenser, die nicht an ein (noch) funktionierendes Wassernetz angeschlossen sind (weil z.B. die Besatzer die Leitungen kappten oder Brunnenanlagen der Dörfer zerstörten) weniger als 10 Liter pro Tag und Person zur Verfügung steht! Palästinenser die in der Zone ‚C’ zusammengepfercht sind – das sind 61% des Verbrauch von Wasser der Westbank – verbrauchen nicht mehr als 17 Liter pro Tag.

Im Bericht von B’tselem aus dem Jahr 2011 ist zu lesen, dass Israel rund 32 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Jordan ableitet und das für nur 9400 Kolonisten vorhält! Das sichert den Siedlern jeden Erfolg ihrer Export orientierten Landwirtschaft jeden Erfolg.

Diese Wassermenge ist für 9400 Siedler! Ein Drittel dieser Menge steht 2,5 Millionen Palästinensern in der gesamten Westbank zur Verfügung. Eine solche Aufteilung ist nicht nur aus der Sicht der Betroffenen ungerecht, es ist auch ein Raub der ihnen zustehende und vereinbarten Wassermenge aus dem Jordan und den Quellen des Berglandes, der Diebstahl des Wassers verursacht unsagbare Probleme für die Gesundheit der Menschen und für eine angemessene wirtschaftliche Entwicklung.

Auf der anderen Seite weist die Palästinensische Wasserbehörde darauf hin, dass bis zum Jahr 2020 im Gazastreifen kein Tropfen Wasser aus eigenen Quellen mehr verfügbar sein wird. Die aufbereitete Wassermenge im Küstenstreifen beträgt zurzeit günstigstenfalls (wenn die Israelis die Stromzufuhr mal nicht unterbrochen haben!) 50 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Wegen der exzessiven Ausnutzung letzter Reserven dringt Seewasser (wie in auf den Balearen) See- und Abwasser in die Wasserkavernen ein und beeinflusst extrem das Leben von 1,8 Millionen Menschen.

Es erscheint nach so vielen Jahren der ständigen Warnungen nutzlos zu sein, wieder auf das Unrecht der Wasserrationierung durch Israel hinzuweisen. Zeugen dieses Unrechts sind auch die schwarzen Wassertonnen auf den Dächern der palästinensischen Wohnhäuser in den Dörfern und Städten des Gazastreifens.

Bei der Inangriffnahme eines solchen heißen Eisens stach Herr Schultz in ein Wespennest. Er berührte ein Verbrechen des ‚demokratischen’ Israels, welches seit Jahrzehnten existiert. Luxuriöse Villen mit Swimmingpools auf den Hügeln der Westbank verbrauchen ungehemmt palästinensisches Wasser und verhindern einen Zugriff der Palästinenser auf ausreichende Mengen Trinkwasser. Wir hoffen ´das dieses Problem von Mr. Kerry nicht unbeachtet bleibt, wenn sein Rahmenwerk eines Friedens Realität werden sollte!

Freunde Palästinas