Dichtung
Mahmoud Darwich
Dichtung
Fedwa Tauqan

Mohammed *

Mohammed
kuschelt sich in den Schoß des Vaters.
Er fürchtet sich, ein kleiner Vogel:
Schütze mich, vor der Hölle des Himmels,Vater,
vor den Flugzeugen dort oben, denn mein Flügel
ist zu klein vor dem Wind und der schwarzen Nacht.

Mohammed
möchte nach Hause zurück.
Er möchte ein Hemd…und ohne Fahrrad
Will er zur Schulbank gehn
zum Einmaleins und ABC:
Vater bring mich in unser Haus zurück,
damit ich meine Lektionen lerne
und langsam, langsam älter werde
am Meeresstrand, unter der Palme,
sonst will ich nichts.

Mohammed
steht ohne Stein vor einem Heer.
Er hat nichts auf die Mauer geschrieben
von Freiheit, die er nicht hat zu verlieren,
und weder sein Himmel noch Horizont
Pablo Picasso's Taube kennt.
Er ist noch ein Kind.
Doch sein Feind verfolgt ohne Unterlaß
seinen Namen mit Haß.
Vergebens! Es gibt so viele Mohammeds.
Nach ihm kommt wieder ein Mohammed zur Welt,
Der wiederum einen Mohammed zeugt,
ein Kind ohne Heimat, ohne glückliche Kindheit.
Wo soll es seine Träume träumen..
wenn das heilige Land eine Wunde ist?

Mohmmed
sieht seinen sicheren Tod, aber dann
fällt ihm ein Panther vom Fernsehn ein.
Ein starker Panther war drauf und dran
ein Rehkitz zu erbeuten.
Doch als er sich näher schlich,
hat er die Milch gerochen
und ist davon gekrochen.
Als hätte die Milch die Bestie der Wüste gezähmt.
Also, ich werde gerettet - sagt der Junge und weint.
Ist mein Leben dort in Sicherheit?
In den Schrank meiner Mutter kann ich mich retten …und Zeuge sein.

Mohammed,
armer Engel, zwei Bogenlängen entfernt
vom Gewehr
seines kaltblütigen Jägers. Wer
verfolgt einen unschuldigen Jungen?
Sein Jäger hätte noch einmal nachdenken können
und sagen: Ich lasse ihn laufen
bis er fehlerfrei
Palästina buchstabieren kann..
Ich laß ihn jetzt laufen,
und nehms auf mein Gewissen.
Doch morgen, wird er rebellisch, werd ich ihn töten.

Mohammed,
kleiner Jesus, er schläft und träumt
in einer Ikone
aus Kupfer und einem Ölbaumzweig.
Aus der Seele des Volkes wird er wiedererstehn.

Mohammed,
sein Blut haben die Propheten nicht gebraucht,
sie hatten genug. Steig auf
zum ewigen Lebensbaum,
Mohammed, steig auf.



* Der elfjährige Mohammad al-Durra wurde auf dem Weg nach Hause an der Hand seines Vaters von einer israelischen Kugel tödlich getroffen.

(Veröffentlicht in der syrischen Zeitung Al-Thawra am 25.10.2000).