Schreckensszenen nach Angriff auf Wohnhäuser im Gazastreifen
Beit Hanun Verkohlte Fragmente von Kleidern, eine Mädchenunterhose und abgerissene Körperteile liegen in einer Blutlache auf der Straße. Die Häuser dahinter weisen klaffende Löcher auf. Nach dem Panzerangriff auf ein Wohngebiet in der Nähe von Beit Hanun im Gazastreifen bietet sich dort ein Bild des Schreckens. Der Beschuss mit Panzergranaten kostete 18 Mitgliedern der Großfamilie Al Athamna das Leben, unter ihnen acht Kinder. Etwa 60 Menschen wurden verletzt.
Akram al Athamna, der im palästinensischen Polizeidienst steht, sagt, er sei im Morgengrauen von dem Knall einer explodierenden Granate geweckt worden. "Ich schaute hinaus und sah, wie aus dem 50 Meter entfernten Haus meines Onkels Saad Rauch herauskam." Offenbar sei das Obergeschoss getoffen worden. "Mein Bruder und ich liefen auf die Straße." Dort habe er etwa 15 Einschläge von Granaten gezählt. Viele Opfer seien Hausbewohner gewesen, die nach den ersten Explosionen ins Freie gelaufen seien.
"Die Granatsplitter flogen direkt in die Menschen, die aus dem Haus eilten", sagt Al Athamna. "Alles war voller Blut. Ich sah, wie mein Nachbar Sacher Adwan zu seiner Schwester gelangen wollte und dabei getötet wurde."
Auf der anderen Seite der Straße lebt der 35-jährige Rahwi Hamad. Auch er wurde von der Explosion und dem Schreien der Anwohner geweckt. "Ich öffnete das Fenster und sah, wie eine Granate im Nachbarhaus einschlug. Als ich herauskam, hatte eine weitere Granate das Haus getroffen. Wir bargen verstümmelte Körper aus den Häusern. Wir sahen Beine, Hände, an die Wand geschleuderte Kopfteile, es war abscheulich. In der Luft hing der Geruch von Blut und verbranntem Fleisch."
Vor den zerstörten Häusern sitzen am Vormittag überlebende Mitglieder der Familie und schluchzen still vor sich hin. Ein Mann taucht seinen Finger in eine Pfütze Blut ein und wischt sich damit über das Gesicht. "Gott möge uns rächen, Gott möge uns rächen", ruft er aus. Feuerwehrleute spritzen das Blut mit Wasser von der Straße, während Sanitäter Körperteile aus Gärten und Seitenstraßen bergen.
AP, 09.11.2006