Bericht:
Livni war Mossad-Agentin



Nach Medienspekulationen über ihre Vergangenheit als "Terroristen-Jägerin" hat die israelische Außenministerin Livni bekannt, jahrelang für den Mossad gearbeitet zu haben.

Die israelische Außenministerin Tzipi Livni hat öffentlich bekannt, dass sie Agentin beim Geheimdienst Mossad war. "Ich habe vier Jahre lang beim Mossad gearbeitet. Ich habe auch Weiterbildungsseminare besucht und war auf Auslandsmissionen", sagte Livni dem israelischen Militärrundfunk.

Nach ihrer Heirat habe sie den Dienst quittiert, weil sie "nicht mehr dieses Leben" habe führen wollen. Details über ihre Missionen wollte Livni nicht preisgeben. Medien hatten bereits über ihre Zeit beim Mossad 1980 bis 1984 berichtet, bislang hatte die Politikerin dies aber nicht bestätigt.

In einem Artikel vom 1. Juni diesen Jahres hatte die britische Sunday Times das angebliche "Terroristen-Jäger-Geheimnis der Frau, die vielleicht bald Israel führen wird" aufgedeckt. Das Blatt bezog sich dabei auf Informationen früherer Kollegen Livnis. Sie habe in den frühen achtziger Jahren in Paris für den Geheimdienst gearbeitet, der zu dieser Zeit mehrere Missionen zur Tötung palästinensischer "Terroristen" in europäischen Hauptstädten durchgeführt habe.

Livni sei auch im Dienst gewesen, als Mamoun Meraish, ein Führer der PLO, 1983 in Athen von Mossad-Agenten erschossen wurde. An dieser Aktion sei sie nicht direkt beteiligt gewesen. "Ihre Rolle beim Mossad bleibt geheim", so das Blatt weiter.

Dem Bericht der Sunday Times zufolge reiste Livni jahrelang von Paris aus durch Europa - "auf der Jagd nach arabischen Terroristen". Das Blatt erinnerte auch an Livnis Familiengeschichte: Ihre Eltern seien beide in militanten zionistischen Gruppen aktiv gewesen und in den vierziger Jahren "wegen terroristischer Verbrechen" verhaftet worden.

"Wesentlich weniger spektakulär"
Medien griffen den Bericht zwar auf, stellten die Geheimdienst-Vergangenheit Livnis aber als "wesentlich weniger spektakulär" dar. Eine Reporterin von Channel 1 berichtete im Juli, Livni sei ihren Recherchen zufolge vom Mossad lediglich angeworben worden, um als Alibi-Mieterin einer Pariser Wohnung des Geheimdienstes herzuhalten.

Nach diesem Aufenthalt in Paris habe Livni zwar in Israel an einem Kurs teilgenommen, um aktive Agentin zu werden. Diesen habe sie auch mit Erfolg belegt - aber nicht zu Ende gebracht, sondern stattdessen den Geheimdienst verlassen, um zu heiraten.

Die 49-Jährige kandidiert in der Kadima-Partei für die Nachfolge von Regierungschef Ehud Olmert. Noch ist unklar, ob sich Olmert selbst noch einmal für die Wahl am 23. September aufstellen lässt. In Umfragen führt Livni vor den anderen Kandidaten, ihr Vorsprung vor ihrem Hauptrivalen, Verkehrsminister Schaul Mofas, ist jedoch zuletzt geschmolzen.

sueddeutsche.de, 30.07.2008
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