Erklärung des "Central Rabbinical Congress" der Vereinigten Staaten von Amerika und Kanadas
Der "Central Rabbinical Congress" der USA und Kanada repräsentiert die Massen orthodoxer und chassidischer Juden dieser Länder und fühlt sich nun zum wiederholten Male dazu gezwungen, die wahrhafte Haltung der Thora wiederzugeben: Wir verwerfen die schockierenden Meinungsäußerungen und die sie begleitenden Aktionen von so genannten "religiösen" Führern im Staat "Israel". Insbesondere sind wir über jene mehr als verärgert, die den Ehre erweisenden Titel "Rabbi" missbrauchen, um mit ihren Taten und Polemiken Schande über das jüdische Volk als Ganzes zu bringen.
Als Gottes Volk haben wir moralische Prinzipien und größere religiöse Verbundenheit der Welt gegenüber zu demonstrieren. Unsere Treue zu Gott, verbunden mit unserem Glauben, hat uns im Laufe unseres physischen Exils Verfolgung und Leid gebracht. Trotzdem verblieben wir unseren Traditionen gegenüber immer loyal. Unter diesen Traditionen, die wir über die Jahrtausende hindurch aufrechterhalten haben, sind die drei Prinzipien, die im Zusammenhang mit unserer ultimativen Befreiung durch den Messias aus dem Hause David stehen und für dessen Ankunft wir täglich beten:
- Wir sind gebunden vor der verheißenen Erlösung keinen Staat im Heiligen Land zu schaffen, noch uns dafür einzusetzen, dass einer entsteht.
- Wir sind gebunden, das Joch der Diaspora, das Exil, bis zur Erlösung zu akzeptieren.
- Wir sind gebunden, in Frieden und Harmonie unter und mit den Nationen zu leben, unter die die himmlische Vorsehung uns zerstreut hat.
Diesen drei Prinzipien sind wir ohne zu hinterfragen Jahrtausende gefolgt. Der so genannte "religiöse" Zionismus nutzte die Möglichkeit des Holocaust, um diese Prinzipien zu manipulieren und zu entstellen, um damit seine Taten als Geburtshelfer des Staates "Israel" zu rechtfertigen. Es gibt "religiöse" Juden, die ihren Glauben degradierten und herabwürdigten durch das Anbeten des Goldenen Kalbes unserer Zeit - des israelischen Staates.
Dieser total säkulare Staat ist zionistisch und nicht jüdisch. Unter seiner Direktive und seinen Regierungseinrichtungen wird jegliche Art der Verletzung des Judentums ermutigt und gefördert. Der zionistische Staat fördert Sittenlosigkeit, ermutigt zur Entweihung des Heiligen Schabbat, erlaubt Abtreibungen von ungeborenem Leben in Millionenhöhe, unterstützt die Schändung antiker jüdischer Grabstätten und besitzt dennoch die Chuzpe sich selbst "jüdischer" Staat zu nennen. Die "religiösen" politischen Parteien des Staates erlauben es sich als Erscheinung aufzutreten, die dem Ganzen eine Zustimmung seitens der Thora verleihen soll und ihre Beteiligung wird dazu missbraucht, um die Schandtaten des zionistischen Staates zu tarnen und so zu tun, als seien diese Handlungen auch noch in Übereinstimmung mit der Thora, der Himmel bewahre uns.
Verschiedene ultra-nationalistische Bewegungen sind angetreten und fordern die permanente Annexion der Westbank und Ost-Jerusalems. Diese Extremisten haben unter dem Vorwand religiösen Zelotentums verschiedene Siedlungen in der Westbank errichtet. Berüchtigte und sogenannte "Rabbiner" verlangen nach der Vertreibung der Araber aus ihren Häusern und ihre Deportation in andere Länder. All dies wird im Namen der Heiligen Thora verkündet.
Wir können und wir dürfen nicht mehr länger schweigsam sein. Es ist unsere heilige Verpflichtung und unsere moralische Verantwortung diesen Ultra-Nationalisten zuzurufen: Hört auf damit! Lasst ab von diesen Falschheiten und Ketzereien, um euch selbst und eure Missetaten zu rechtfertigen. Die jüdische Religion, wie sie durch den Allm-chtigen an unsere Vorväter überliefert wurde, hat nie und wird niemals die zionistische und nationalistische Doktrin des Staates "Israel" unterstützen. Diese falschen Lehren setzen sich zusammen aus Atheismus und anti-religiösem Zionismus - Ideologien, die dem Judentum fremd sind. Wir lassen es nicht zu, dass sie gegenüber der Welt als jüdisch missverstanden werden.
Unser grundlegender Wunsch als g-ttesfürchtige Juden ist es, mit unseren Nachbarn in den Ländern, in denen wir wohnen, bis zur endgültigen himmlischen Erlösung für die gesamte Menschheit, in Frieden und Harmonie zu leben. Dieser Wunsch gilt vor allem auch für das Heilige Land, für Palästina. Die wirklich jüdische Position gegenüber dem Zionismus und seinem Staat namens "Israel" ist in den Heiligen Schriften, im Talmud und in unseren mündlichen Traditionen, die uns von unseren Eltern und Lehrern überliefert wurden, begründet.
Am Beginn des jüdischen Exils nach Babylon proklamierte der Prophet Jeremia in Kapitel 29 seines Buches die Botschaft G-ttes gegenüber allen Exilierten. Der Vers 7 sagt: "Und suchet das Wohl der Stadt, dahin Ich euch weggeführt habe, und betet um sie zu dem Ewigen; denn in ihrem Wohle wird euch wohl sein." Dies war immer der Eckpfeiler jüdischer "Außenpolitik", nach dem man sich in den vielen Ländern während unseres Exils bis zum heutigen Tage verhalten hat. Der Prophet Jeremia fügt im Namen G-ttes (Vers 8 und 9) hinzu: "Dass euch nicht berücken eure Propheten, die in eurer Mitte sind, und eure Wahrsager, dass ihr nicht höret auf eure Träume, die ihr träumt. Denn mit Lügen weissagen sie euch in Meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt." Auch dies trifft auf all die Irreführer zu, gleichgültig ob sie sich selbst als "Propheten", als Zauberer oder als Träumer nationaler Bestrebungen präsentieren.
König Salomon beschwört im Lied der Lieder dreimal die "Töchter von Jerusalem, dass ihr nicht wecket noch aufreget die Liebe, bis sie begehrt." Der Talmud erklärt, dass zwei der drei Eide sich an die Juden richten, die verbannten Töchter Jerusalems, sich nicht zu vereinen, um das Heilige Land zu nehmen und nicht gegen die Nationen zu rebellieren. Der dritte Eid ist an die Nationen der Welt gerichtet, die Juden nicht zu unterdrücken. Während der 70 Jahre des Babylonischen Exils, während der 200 Jahre des Hellenistischen Exils und während der nahezu 2000 Jahre seit der Zerstörung des Heiligen Tempels G-ttes haben wir unsere Loyalität gegenüber G-tt standhaft gehütet und Seine Schwüre nie verletzt. Wir haben für den Wohlstand der Städte und Länder unserer Gastnationen gebetet und in ihrem Gedeihen fanden wir auch immer das unsrige. Wer auch immer Jeremias Prinzipien oder Salomons Schwüre verletzt, gefährdet damit unmittelbar das Wohlbefinden von Juden, sowohl im Heiligen Land als auch an jedem anderen Platz auf der Welt.
19.04.2009 übersetzt und authorisiert von Reuven Cabelman
|