Gebet für das Vaterland

Von Reuven Cabelman

Sie haben in ihrer Liturgie neue Gebete und im Kalender zusätzliche „Feiertage“ eingeführt: Ein „Mi shebeirach“ für den Staat, den sie „Israel“ nennen, hat das uralte jüdische „Gebet für das Vaterland“ ersetzt und Yom HaShoah, Yom HaZikaron und Yom HaAtzmaut wurden zu neuen Gedenktagen erklärt, die vom Judentum nie akzeptiert wurden. Doch dabei blieben sie nicht stehen: Den heiligsten Platz des Judentums überhaupt, die „Kosel“, die Westmauer des Tempelbergs in Jerusalem, den sie angeblich im Jahre 1967 „befreit“ haben wollen, missbrauchen sie Jahr für Jahr für ihr obszönes militaristisches und nationalistisches Gehabe mit Fahnenmeer, Stechschritt und Fackelzug, an dem sich zionistische Staatsprominenz und Militärführung mit nahezu pseudo-religiöser Hingabe ergötzen. Nirgendwo sonst wird einem der Widerspruch zwischen nationalzionistischem Kult einerseits und religiösen Judentum andererseits so bewusst gemacht und vor Augen geführt, wie an diesem historischen Ort, der über Jahrtausende die Gebete frommer und gottesfürchtiger Juden zum Schöpfer der Welt sammelte. Hier zeigt sich geradezu symbolisch wer nicht nur die Kosel und Jerusalem, sondern auch das ganze Heilige Land im Würgegriff hält: die Macht der zionistischen Besatzung! Die Juden Jerusalems werden – wie in jedem Jahr – mit dem Hissen schwarzer Fahnen und einem ganztägigen Fasten ihrer Trauer und ihrem Widerstand auch gegen dieses Treiben des Zionismus Ausdruck verleihen.

„Wir erheben unsere Hände und unsere Herzen zu dem Lenker aller menschlichen Geschicke. Vater der Barmherzigkeit! Aus dir quillt aller Segen. Du gießest Frieden aus über das Getümmel der Meereswogen. In deiner Hand ruhen die Schicksale alles dessen, was Seele hat. Tausend Jahre sind in deinen Augen wie das Gestern, wenn es dahin schwindet und wie das nächtliche Wachtfeuer, wenn es verglimmt. Lasse deine Gnade walten über unser deutsches Vaterland. Sende Heilung seinen Wunden, Aufrichtung seiner Gebeugtheit, Kraft und Schwung seiner staatlichen und wirtschaftlichen Entfaltung. Halte fern von seinen Fluren die Geißel der Krankheit, die Schärfe des Schwertes, die Not des Hungers und jegliche Bedürftigkeit. Lasse seine Kinder in sieghafter Eintracht ruhen. Der Verderber nähere sich nicht dem Frieden ihres Gezeltes. Lasse die Stimme des Streites verstummen in unseren Landen. Lasse Erfüllung nahen der prophetischen Verheißung: den Krieg zu bannen bis ans Ende der Erde, daß ein jeder sein Heim errichte im Frieden seines Weinstockes und unter dem Schatten seines Feigenbaumes. In Bälde lasse die Mächte des Heiles walten in Juda, die Quellen der Erhebung strömen über Jisrael. Lasse Zion den Erlöser nahen. Entbinde aus allen Tiefen die schöpferischen Kräfte der Erlösung für Jisrael und die gesamte Menschheit. Das sein dein heiliger Wille. Darauf sprechen wir: Amen!“ (deutsche Übersetzung des „Gebetes für das Vaterland“ aus dem „Siddur Sefas Emes“, 1956-1964)

29.04.2009


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