Deutsche Freunde Palästinas bemühen sich um Hilfe für Gaza
"Die Not der Menschen ist unglaublich"

Von Annette Schneider-Solis

Walter Bornholdt verfolgt mit Betroffenheit, wie der Konflikt im Gazastreifen eskaliert ist. Vor einigen Jahren hatte der Arabisch-Dolmetscher Israel und die Palästinenser-Gebiete besucht und sich vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. Das Thema lässt ihn nicht los, und so engagiert sich Bornholdt im Verein der Freunde Palästinas. Dieser bemüht sich zurzeit um Hilfe aus Deutschland für die Menschen in Gaza, wie Bornholdt erklärte. Der Verein mit Sitz in Sachsen-Anhalt setzt sich für das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat ein sowie für Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern. "Wir fordern natürlich auch eine Anerkennung Israels entsprechend der UNO-Resolution in den Grenzen vor dem Sieben-Tage-Krieg von 1967", sagte Vereinsmitglied Ingo Bringezu. Mitglieder des Vereins sind Deutsche, Araber, Palästinenser wie der Vorsitzende Maher Fakhoury, der als 19-Jähriger das "Massaker von Sabra und Schatila" im Libanon überlebte, in der DDR studierte und seitdem in Deutschland lebt. Der Verein will helfen, die Not der Palästinenser zu lindern, vermittelt Patenschaften für arme oder behinderte Kinder, leistet Bildungsarbeit.

Medizinische Hilfe nötig
In der aktuellen Situation ist vor allem medizinische Hilfe nötig. Deshalb bitten die Freunde Palästinas Hilfsorganisationen, Krankenhäuser, Ärzte und medizinische Einrichtungen um Unterstützung. "Die Not der Menschen im Gazastreifen ist unglaublich groß", sagte Ingo Bringezu. Über Internet oder Telefon haben vor allem die arabischen Vereinsmitglieder Kontakt in den Nahen Osten. Sie wissen, dass die Situation der 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen katastrophal ist, dass es neben Hunderten Toten auch unzählige Verletzte gibt, dass die medizinische Versorgung nicht gewährleistet ist. Informationen über die aktuelle Situation, über einzelne Schicksale und Hintergründe veröffentlicht der Verein auf seiner Internetseite "freunde-palaestinas.de", die Zugriffe nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern, aus dem Nahen Osten und den USA verzeichnet. Der Verein erhält zahlreiche Zuschriften, hält Verbindung zu Friedensaktivisten in Israel. Auf seiner Internetseite bittet der Verein auch um Spenden. "Wir versuchen, einen Hilfstransport zu organisieren", sagte Bringezu. Im Gazastreifen fehlt es am Nötigsten, dort wird zurzeit alles gebraucht: Medikamente, medizinisches Gerät, vielleicht auch Ärzte, die in ihrem Urlaub im Gazastreifen arbeiten können.

Kinder sollen in deutschen Kliniken behandelt werden
"Es gibt ja auch in Deutschland viele palästinensische Ärzte. Angedacht ist auch, ein oder zwei Kinder nach Sachsen-Anhalt zu holen, die während der israelischen Angriffe schwer verletzt wurden". Bringezu und seinen Vereinskameraden schwebt vor, dass diese Kinder hier in Krankenhäusern medizinisch versorgt werden. Mit dieser Idee haben sie sich an das Uniklinikum in Magdeburg gewandt, wo auch in der Vergangenheit immer wieder Kinder aus Notstandsgebieten behandelt und operiert wurden. Ein palästinensischer Arzt, der in Magdeburg eine Praxis für Radiologie betreibt, unterstützt den Verein und trägt die Bitten an die Krankenhäuser heran. Die Hilfsaktion steht noch am Anfang, bislang ist die Resonanz noch nicht allzu groß. Die Bilder im Fernsehen und im Internet von verletzten Kindern, weinenden Vätern und zerstörten Häusern machen Walter Bornholdt ratlos. "Bei der derzeitigen Konstellation auf israelischer wie palästinensischer Seite habe ich kaum Hoffnung, dass sich der Konflikt lösen lässt", sagte er. "Das kann nur funktionieren, wenn man irgendwann einen Schlussstrich zieht wie damals in Südafrika. Wenn man aufhört aufzurechnen, wer was getan hat, wer wem Land geraubt hat oder wie viele Menschen gestorben sind.

AP, 22.01.2008




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