Freiheit für Hussam Shaheen
Eine Erklärung der Familie



Am 28.01.2004 haben die israelischen Besatzer den Menschrenrechts- und Friedensaktivist Hussam Shaheen in Ramallah in der besetzen West Bank gefangen genommen. Shaheen wartet im Moment auf sein Verfahren, die israelische Militärstaatsanwaltschaft fordert die Höchststrafe 24 Jahren Gefängnis. Der folgende Text stammt aus einer Erklärung von Shaheens Familie.
Hussam ist eine junger palästinensischer politischer Aktivist aus Jerusalem. Er ist Sekretär für internationale Beziehungen der Fatah Youth Organization (FYO) und Vorsitzender der FYO in Jerusalem.
Unter seiner Führung kämpfen Tausende junger palästinensischer Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 35 Jahren die für Menschrechte, Freiheit und einen gerechten Frieden für Israel und Palästina.

Die Arbeit mit jungen Menschen
Hussam ist sein ganzes Leben ein Friedensaktivist und Unterstützer des Friedensprozesses. 1992 trat er dem palästinensischen Zentrum für das Studium von Gewaltfreiheit bei und wurde zum Direktor des Jugendprogramms ernannt.
Hussam ist aktiv an der Organisation von Konfliktlösungen und Workshops für Gewaltlosigkeit palästinensischer Jugendlicher beteiligt.
1996 wurde Hussams Engagement für Menschenrechte und Freiheit mit dem Vorwchlag für den Reebok Menschenrechts-Preis gewürdigt.
Als internationaler Vertreter der Fatah Youth Organization hat er mit Jugendgruppen und jungen politischen Aktivisten in Israel, Norwegen, Schweden, Deutschland und Frankreich zusammengearbeitet. Hussam glaubt fest daran, dass die Arbeit mit jungen Menschen die einzige Hoffnung für eine bessere Zukunft ist.

Landbesetzung Im Al Khadr Dorf bei Bethlehem wird Land für die Ausdehnung der illegalen israelischen Siedlung Efrat beschlagnahmt. Hussam und 120 andere Demonstranten haben Zelte aufgestellt, um die israelischen Militärjeeps und andere bewaffnete Fahrzeuge davon abzuhalten, den Ort zu erreichen. Soldaten erklärten das Gebiet zur geschlossenen Militärzone. Hussam sang "Shalom kein, Efrat low", hebräisch für "Frieden ja, Efrat nein" und wurde festgenommen.
Er wurde nur fünf Tage lang festgehalten und hat seine Demonstration sofort nach seiner Freilassung fortgesetzt, um den fortschreitende Raub palästinensischen Landes zu verhindern.

Gefangennahme und Folter Am 28.01.2004 nahmen die israelischen Besatzungsmächte Hussam in Ramallah fest. Seitdem ist er in Isolationshaft und psychischer und körperlicher Folterung ausgesetzt. Die Gefangenen sind grausamen Bedingungen unterworfen wie Isolationshaft, Misshandlungen, schlechter Ernährung und fehlender Belüftung, besonders in den Gefängniszellen.
Den Gefangenen wurde alles weggenommen außer einer dünnen Matratze, die nur 4 Zentimeter dick ist. Seit seiner Festnahme hat Hussam 13 kg abgenommen.

Tausende palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen
Hussams Fall ist nur einer von Tausenden in Palästina. Seit Beginn der zweiten Intifada hat die israelische Armee brutale Maßnahmen zur Unterdrückung ergriffen wie willkürliche Massenfestnahmen, Sippenhaft und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.
Seit Israel die Operationen 'Defensive Shield' im März 2002 und 'Determined Path' im Juni 2002 starteten, wurden Tausende palästinensische Zivilisten festgenommen und eingesperrt. Vielen der Gefangene wurden ihre Rechte verweigert: das Recht auf eine faire Verhandlung, das Recht über den Grund der Festnahme informiert zu werden, das Recht auf Essen, Wasser und medizinische Versorgung. Außerdem gibt es viele Erzählungen und dokumentierte Berichte über Folter und Misshandlung von Seiten des israelischen Militärs und der israelischen Polizei.

Unschuldig Inhaftierte
Zusätzlich zu den oben genannten Verletzungen der Menschenrechte sind die meisten der Inhaftierten unschuldige Zivilisten, die nie eine Straftat begangen haben. Im Gegenteil, sie sind politische und Friedensaktivisten, die für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte in ihren Gemeinschaften kämpfen.
Es sind nicht nur die Gefangenen die leiden, die Familien der gefangenen Männer und Frauen leiden ebenfalls sehr darunter. Sie werden selten darüber informiert, warum ihre Liebsten gefangen genommen wurden, noch wird ihnen mitgeteilt, wo sie festgehalten werden. Rechtsanwälte dürfen nur selten die Gefangenen besuchen und können so keine wirksame Rechtsvertretung anbieten oder Informationen für die Familien zur Verfügung stellen.

Hussams Gerichtsverhandlung Am 1. März fand am Militärgericht Ofer eine Verhandlung gegen Hussam statt, die von seinen Rechtsanwälten und einer Delegation der norwegischen Labour Party, geleietet von der Abgeordneten des norwegischen Parlaments Eva Hansen, besucht wurde.
Während dieser Verhandlung sagte ein Mitglied der norwegischen Delegation, das das Friedensforum in Oslo repräsentiert, über Hussams Arbeit mit der "Partei für Frieden in der Region" seit 1996 aus.
Während der Sitzung hat Hussam im Gericht ausgesagt, um sich selbst zu verteidigen. Der folgende Text ist ein Auszug der Zeugenaussage:
"Wenn meine Stimme nach Frieden ruft, erhebt sich meine Stimme für den Frieden. Aber hier darf ich nicht in einer lauten Stimme über den Schaden sprechen, den die israelische Besatzung angerichtet hat. Das Hindernis für Frieden bin nicht ich, das ist die Besatzung. Ich glaube, dass die einzige Lösung für beide Seiten der Frieden ist. Der Konflikt hat nicht in meinem Leben oder im Leben irgendeines hier Anwesenden begonnen, aber er spiegelt die Zukunft der beiden Seiten wider, jede Seite hat ihre Verantwortung für den Frieden. Ich glaube an eine politische Lösung und daran, dass die Zukunft in der Gegenwart gestaltet werden muss. Ich weiß, dass mein Fall nicht der Beginn einer politischen Lösung sein wird, mein Fall für das Gericht nur ein Fall, aber für mich ist es mein Leben. Die Richter können sich nicht in unsere Lage im Gefängnis versetzen, weil das Leben im Gefängnis schrecklich ist und wir alle Arten von Misshandlungen erleiden.
Seit drei Jahren bin ich im Gefängnis, nicht einer der Israelis sprach mit mir über irgendetwas, das mit Frieden zu tun hatte. Ich hoffe, dass die Richter empfinden könnten, was wir in den Gefängniszellen fühlen, 30 Minuten vor wir dem Betreten des Gerichtssaales. In der Zelle kann man die unmenschlichen Bedingungen und die Verfolgung spüren.
Ich hoffe auch, das wir und die Israelis uns in der Zukunft eines sicheren Friedens erfreuen werden, solch ein Frieden könnte durch die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates an der Seite Israels erreicht werden. Das ist die Lösung, an die ich glaube."


Ma'an, 31.03.2007
Für Freunde Palästinas (Aus dem Englischen: Ernst Herbst)


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