Ein brutaler Geschmack der Zukunft

Von Sami Abdel-Shafi

Die Ereignisse um Beit Hanoun sind schreckliche Beispiele für das was die Palästinenser erwarten können.

Die Ideen Avigdor Liebermanns, weithin als Rechtsaußen-Rassist bekannt, Minister in Ehud Olmerts Kabinett, scheinen nun Wirklichkeit zu werden. Der Gaza-Streifen und die Stadt Beit Hanoun wurden in der letzten Woche von der israelischen Armee zum "Ground Zero" gemacht. Alleine gestern lagen mehr als 260 Palästinenser tot und verwundet. Fast 60 Tote, Frauen, Kinder und Ambulanz-Fahrer.

Die israelische Armee gab vor, den Raketenbeschuss durch selbstgebaute "Qassam" auf Süd-Israel beenden zu wollen. Sehr viele Palästinenser sind mit dem Gebrauch dieser behelfsmäßigen (über Zündschnüre zu zündende) Raketen nicht einverstanden, aber Israel ist ja für seine unverhältnismäßigen Angriffe bekannt. Beit Hanoun wurde letzte Donnerstagnacht mit massivem Granatfeuer und Helikopterangriffen geweckt. Keine Männer zwischen 16 und 45 waren anwesend. Frauen und Kinder aus Beit Hanoun schickten Hilferufe über die Gaza-Radio Station. Diese arbeitslosen Frauen verloren neben ihren Männern auch noch ihre gesamte Habe.

Am Freitagmorgen marschierten Gruppen von Frauen durch Beit Hanoun, ein spontaner Aufmarsch, um den Freunden und Angehörigen zu helfen, deren Rufe sie hören konnten. Unbewaffnet! wurden sie von Israelis von ihren Panzern aus beschossen. 2 Frauen blieben tot liegen, andere ernsthaft verwundet. Diese Frauen, so wurde gesagt, wollten zur Moschee wo sie bewaffnete Männer befreien wollten, die auch Flüchtlinge verbargen. TV-Clips und Fotos bewiesen eindeutig, dass keine der Frauen eine militärische Bedrohung darstellten. Als solche wurden sie ohne Vorwarnung der Israelis aber behandelt.

Währenddessen empfahl Liebermanns Partei - "Israel unser Haus" - die Palästinenser so zu bedrohen und bedrängen, damit diese sich zur Flucht genötigt sehen. Die Ideen dieser Partei sagen auch, die Palästinenser in Gebiete unter Kontrolle der palästinensischen Autorität zu "transferieren". Diese Beit Hanoun Offensive zeigt uns, was die Palästinenser erwarten müssen.

Heute versucht die palästinensische Verwaltung einen umlagerten eingezäunten Gazastreifen und eine Westbank mit zerstreut liegenden Siedlungen und Städten zu regieren. Die 1,5 Mio. Palästinenser in der Westbank werden durch die zahlreichen israelischen Kontrollposten an einem normalen Leben gehindert und die permanente Zerteilung der Gebiete macht auch ein Leben unmöglich. Die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit durch die Besatzer lässt die Bewohnern von Ost-Jerusalem, aus der Sicht der Westbank und des Gaza-Streifens, wie auf einem anderen Stern erscheinen. Diese gegenwärtige Unterjochung der Palästinenser, ihre Belagerung, ihre Armut und ihre Einsperrung, immer unter der ständigen Bedrohung durch israelische Angriffe, ist auch die Ursache für die tragischen internen Machtkämpfe. Beide, die internationale Gemeinschaft und friedliebende Israelis und Palästinenser werden zwangsläufig immer mehr Kritik ertragen müssen, für ihr Unvermögen in dieser Zeit. Sogar für diejenigen, die niemals die Hamas unterstützt hatten, ist es unmöglich geworden diese Doppelmoral zu ignorieren: Die "Außenwelt" akzeptiert Liebermanns Ernennung zum stellvertretenden Ministerpräsidenten, ungeachtet dessen extremistischen Ansichten, während sie die palästinensische Verwaltung boykottiert, weil Hamas gewählt wurde.

Eines kann einem nur wundern, dass nämlich Olmert nicht erkannt hat soll, dass sein Deputy aber auch jede Aussicht auf Frieden vernichten wird. Israels Offensive gegen Gaza schadet und vernichtet eine zivile Gesellschaft. Das Einebnen der Wasser-, Abwasser- und Elektro-Versorgung, einschließlich der Anlagen, die durch internationale (auch deutsche) Hilfe finanziert wurde, dass Ermorden von Zivilisten und das Verschleppen 10 Tausender von Einwohner in Militärlager, prägt das Bild der israelischen Politik. Was bewiesen ist.

*Sami Abdel-Shafi ist der Senior-Partner einer Notfall Beratungs Gruppe in Gaza-City.

Gaza-City
The Guardian, 08.11.2006




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