Ennab Kontrollpunkt - Folter und Elend
Von Ikrima Thabit Saed
Za'atara, Qalandia, Al Hamra, Huwwara, Beit Eeba, der Container, Atata, Ennab ......
Das sind nur einige wenige Namen von Hunderten israelischer Straßensperren. Jeder Palästinenser muss sie kennen. An jedem Kontrollpunkt droht ihnen Misshandlung, Demütigung und brutale Behandlung durch die israelischen Besatzungssoldaten.
Diese Sperren sind Ausdruck der Folter die Palästinenser täglich ertragen müssen, wenn sie diese benutzen. Sie müssen oft genug Stunden warten, bis der Kontrollpunkt öffnet und manchmal werden sie nach tagelanger Wartezeit wieder zurückgeschickt, weil man beschlossen hatte, diesen Kontrollpunkt kurzfristig zu schließen. An diesen Straßensperren werden Palästinenser gehindert innerhalb palästinensischer Gebiete zu reisen. Sie müssen warten, manchmal im Regen, in der Hitze des Sommers, sie müssen mit ansehen, wie die Soldaten der zionistischen Besatzer miteinander scherzen und in klimatisierten Räumen frühstücken und telefonieren. Derweil warten die Menschen bis sie an der Reihe sind, durchsucht, nur kontrolliert, befragt und oft genug misshandelt zu werden.
Diesen Straßensperren kann man nicht ausweichen oder sie ignorieren. Sie sind überall. Ständige Kontrollpunkte oder zeitweilig eingerichtete Übergänge. Sie bilden Grenzen innerhalb der Grenzen und wieder innerhalb .... Nur wenige Kilometer voneinander entfernt, auf Hauptstraßen wie auch auf Nebenstraßen. Keine Möglichkeit diesen Überwachungsmechanismen zu entkommen. Selbst auf kürzesten Wegen einer Reise muss man wenigstens einen dieser Übergänge benutzen.
An jedem der Kontrollpunkte sieht man hunderte Autos und tausende Palästinenser warten. Einige wollen zur Arbeit oder kommen von der Arbeit und wollen nach Hause, andere wollen zu Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, med. Zentren - woher und wohin auch immer.
Dieses stundenlange Warten endet immer mit Demütigungen, Durchsuchungen und Misshandlungen durch die Soldaten. Möglicherweise sind diese frustriert und unzufrieden mit ihrer Arbeit oder aber sie finden Gefallen an der Demütigung und Misshandlung von Menschen und entwickeln dabei ständig neue Ideen.
Es spiel keine Rolle, ob Du eine schwangere Frau bist, oder ein Patient der ins Krankenhaus muss, ob Du behindert bist, ein Behördenangestellter oder ein politischer Führer. Jeder Palästinenser erlebt die Demütigungen an diesen Sperren. Auch Ambulanzen mit Sondersignal, (Not-)Ärzte und anderes medizinisches Personal muß warten.
Der Ennab-Kontrollpunkt ist nur ein Beispiel von hunderten Posten dieser Art, die in der gesamten Westbank verstreut sind. Vergleichsweise ist es eine "kleine" Straßensperre, aber es ist die berüchtigste Kontrollstelle, die die Besatzungstruppen Israels aufgebaut haben.
Er wurde zu einem Ort, wo täglich übelste Umgangsformen die Menschen bedrücken, zu einem Ort der Gewalt, der Misshandlungen täglich, stündlich in jeder Minute.
Dieser Checkpoint wird Ennab - oder Ennav von den Israelis - genannt. Wegen der nahe liegenden jüdischen Siedlung "Ennav". Diese Siedlung, wie alle Siedlungen in der West-Bank, wurde auf gestohlenem Land der Palästinenser aus Anabta, Rameen, Beit Leed und Kafr Lubbad errichtet.
Hier bei Ennab, musst Du viele Stunden warten bis Du eventuell mal vor einer Gruppe Soldaten stehst, die deinen Ausweis kontrollieren, dich und alles was du mit dir führst durchsuchen.
Dort muss jedes Kind, jeder Mann und jede Frau, gleich welchen Alters, warten. Jeder Arzt muss warten. Sie müssen draußen stehen, bei jedem Wetter - nur einfach warten. Oftmals warten sie für Nichts, weil ein junger israelischer Soldat mit einem großen Gewehr ihnen lapidar sagt: "Haut ab - Geht zurück!" Zurück - wohin? Es interessiert ihn gar nicht. Wohin du verschwindest interessiert ihn nicht, nur dass Du seinem Befehl gehorchst und verschwindest!
An jedem von Gott gegebenem Tag wirst du am Ennab-Kontrollpunkt hunderte von Bewohner sehen, Bauern, Schwangere, Kinder und Kranke …. Du wirst sie einfach nur warten sehen, warten auf die möglicherweise gute Laune eines jungen Soldaten, der sich einen Dreck um die Menschen schert, deren Würde oder sonst etwas. Du wirst feststellen, dass diese jungen Besatzungssoldaten wie Roboter werden, mit ihrem Finger am Abzug des Schnellfeuergewehres, Maschinen die programmiert wurden, serienweise Kommandos zu brüllen, aber nicht programmiert wurden zu vermitteln - einfach menschlich zu sein!
Palästina, ein Land unter Besatzung und Belagerung, ständig von Angriffen, totalen Abschnürungen und Mord bedroht. Eine ganze Nation lebt unter einem der brutalsten Besatzerregimes der Welt. Währenddessen spricht die Welt von Freiheit und Demokratie und Menschenrechte. Aber die Palästinenser müssen weiter unter militärischer Besatzung, unter Missachtung ihrer Menschen- und Freiheitsrechte in voneinander isolierten Ghettos leben, und sie werden jetzt noch zusätzlich von der Sperrmauer der Israelis weiter bedroht.
Wenn Du nach Palästina kommst, wirst du hören, sehen und dann vor aller Welt bezeugen, dass all diese tausende von Einzelschicksalen und Geschichten, Geschichten von Leid und Demütigung, Geschichten eines Landes unter Besatzungsmacht lebend und von Menschen die von ihren Grundrechten als Menschen, vom Recht der Selbstbestimmung und Freiheit, ferngehalten werden, Wahrheit sind.
Dort wirst Du auch eine ganze Nation finden, von Israel auf ihrem eigenen Grund und Boden in Gefangenschaft gehalten, umschlossen von illegalen Siedlungen der Zionisten und Militärcamps und von einer sich täglich vergrößernden Sperrmauer. Du wirst eine Nation finden, die wartet. An Kontrollposten wie Ennab und mindestens 700 anderen. Einfach nur wartet, auf den möglicherweise kommenden Tag, der ihnen die Freiheit bringt.
imemc, 14.05.2007
Für Freunde Palästinas
(en-dt: Walter Bornholdt)