Bericht:
Der Al Ka'bnah Stamm ist hinter der Mauer eingeschlossen



Tal A'dasah aus Bait Hanina - nördlich von Ost-Jerusalem - wurde von der Trennmauer in eine isolierte Insel verwandelt. Der einzige Übergang zur nahe liegenden Stadt Bir Nabala wurde Anfang letzter Woche geschlossen.

Die Bewohner von Tal A'dasah waren gezwungen, ein Zelt hinter der Mauer auf der Hauptstraße aufzubauen. Dort sollen sie jetzt ihre Kinder unterrichten lassen, da der normale Schulweg nach Bir Nabala und Al Jeeb versperrt ist.

Mahmoud Ka'abnah, ein Mitglied der Ka'abnah Familie und Rektor der Al Ka'abnah Grundschule erklärte uns: "Wir errichteten das Zelt aus Furcht, dass unsere Kinder ihre Zukunft verlieren werden, ohne Schulausbildung. Das wird nach der Einschließung durch die Trennmauer und Schließung des letzten Durchganges in der Mauer geschehen."

Die Kinder werden vom Schulbesuch abgehalten, fügte Al Ka'abnah hinzu und sagte weiter, dass die Bewohner nun in einem großen Gefängnis wohnen, in ihren Metallbaracken und Holzhütten. 63 Familienangehörige sind ohne Anklage und Schuldspruch eingekerkert. 8 andere Hütten sind für unsere Schafe. Als die Mauer im Mai 2006 begonnen wurde, wurde es schon nahezu unmöglich gemacht, in den nahe liegenden Orten alles Nötige einzukaufen und unsere Erzeugnisse zu vermarkten.

Gleichzeitig konnte man die medizinischen Einrichtungen in Bir Nabala in Anspruch nehmen und wie gesagt, unsere Kinder gingen dort zur Schule. Uns wurde vor der Komplettschließung des Durchlasses die Passage ohne Weiteres erlaubt. Wie waren wir überrascht und erschrocken als wir Bauarbeiter sahen, die den einzigen Durchgang mit Betonblöcken verschlossen.

"Die Männer konnten nicht mehr zu ihren Arbeitsstätten gelangen, die Kinder nicht mehr in ihre Schulen. Und wir konnten keine Nahrungsmittel für unsere Familien einkaufen und das genau im Heiligen Monat Ramadan.

"Gleichzeitig waren wir nun vom einzigen Weg nach Ost-Jerusalem abgeschnitten, weil wir die palästinensische ID-Card führen und die Israelis diese nicht mehr verlängerten. Auch unser Viehbestand kümmert unter Futtermangel und damit ist unser ganzes Leben bedroht. Wassermangel kommt hinzu, denn die Israelis bauten die Mauer zwischen uns und unserer einzigen Wasserquelle, wie es im gesamten Westjordanland geschehen ist. Nun können wir unsere Tanks nicht mehr bei Bedarf füllen."

"Die Verhinderung jeder medizinischen Versorgung betrifft mehr und mehr unsere älteren Angehörigen, die an verschiedenen Krankheiten leiden und regelmäßige Versorgung benötigen."

Ein Junger Mann des Stammes, wir kennen ihn als Hussein, wurde vor Kurzem von israelischen Soldaten angegriffen, weil er durch ein Loch in der Mauer klettern wollte um Futter für die Tiere zu besorgen. Natürlich ohne Genehmigung. Die Soldaten brachten ihn weg und griffen im Dorf massiv das Haus der Familie an. Die Mutter Husseins (41), eine Mutter von 3 Kindern, wurde selber angegriffen, als sie versuchte, ihren Sohn zu beschützen.

Zu den Lebensumständen sagte uns Mahmoud Ka'abnah weiter: "Wir leben auf einem Grund von rund 500 Dunam, einen großen Teil davon nutzen wir als Weide und zum Ackerbau. Vor einigen Jahren hatten wir noch 1500 Tiere, heute sind es nur noch 600. Das liegt auch an dem hohen Preis für Futtermittel und dem ständigen Diebstahl von Land durch die Israelischen Besatzer. Die Stehlen unser Land, um ihre Mauer darauf zu bauen.

1994 lieferte ein israelischer Minister noch Gründe, um illegale Siedler von unserem Land und aus der Region zu vertreiben. Sie mussten in ihre Stammsiedlung zurückkehren. Im letzten Jahr aber gab der Innenminister Befehl UNSERE Häuser zu zerstören. Ein Befehl, der mit dem Baubeginn der Aparthaid-Mauer einherging. Jetzt sollten wir die Illegalen in der Region sein. Wir seien Palästinenser die illegal auf israelischem Boden leben würden.

Bis heute hat kein Gerichtsentscheid diese Anordnung widerrufen.

"Während der letzten Verhandlung im Gericht in Jerusalem, drohte uns die zuständige Richterin mit der vollständigen Zerstörung unserer Unterkünfte und zur Strafe von 50.000 NIS. Und das, weil wir angeblich in ungenehmigt errichteten Häusern leben würden. Die Unterkünfte der Beduinen sind ja nicht "fest" und nur Blech und aus den Haaren ihrer Tiere angefertigt. Die benötigen keine Genehmigungen.

Die Betroffenen protestierten gegen diese Entscheidungen und riefen die palästinensische Autonomiebehörde und diverse internationale Menschenrechtsorganisationen an. Auch von israelischen Friedensgruppen bekamen sie Unterstützung. Dieser Protest richtet sich gegen einen geplanten langsamen Tod der Menschen.

"Wir leben in einer schlimmen Zeit, die Soldaten nahmen uns jede Möglichkeit zu leben und unsere Bedürfnisse selbst zu erwirtschaften. Soll ich mit meinen Kindern vor dieser Mauer sterben", erklärte uns gegenüber Umm Hussein. Sie berichtete uns, dass seit dem Baubeginn die Israelis immer wieder bemüht waren, die Einschließung des Gebietes durchzuführen und ihr Sohn schon oft von den Soldaten verschleppt wurde. Dies hier sei das Land, wo sie leben wollen und schon seit Generationen leben. Aber Israel versucht wohl ernsthaft uns einen langsamen Tod sterben zu lassen, um seine Vertreibungspläne durchzuführen.

Wir wurden schon 1948 von unserem angestammten Land in der Gegend von BerScheva verjagt und in der Nähe von Hebron angesiedelt. Nach 1967 wurde der Stamm in das Land um Tal A'dasah in Bait Hanina umgesiedelt.



IMEMC, 06.10.2007
Für Freunde Palästinas
(en-dt: Walter Bornholdt)




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