Gefangen wegen Steine werfen - Ein 16 jähriger Junge berichtet
Von Osama Awad
Gestern stand ein Jugendlicher, völlig verwirrt und fragend wohin er gehen kann. Es war das erste Mal in seinem Leben, wo er seine eigene kleine Wellt verlassen musste. Er hatte kein Geld und keine Handy. Was er mit sich führte, war seine Geburtsurkunde und die Kleider auf dem Leibe, die er seit seiner Verhaftung am 22. Dezember 2006 trug.
Der 16-jährige Omar Sabah war gerade aus einem israelischen Gefängnis entlassen worden und nahe einem Militärstützpunkt bei Ramallah ausgesetzt worden.
Kaum das er einem Vorübergehenden seine Geschichte erzählte, wurde er in ein Taxi gesetzt und der Unbekannte bezahlte die Fahrt. Während der Fahrt auf der holperigen Seitenstraße von Ramallah nach Bethlehem - Taqa Village begann der Junge zu erzählen.
Die Geburtsurkunde in seiner Hand wurde zu einem israelischen Gericht gebracht. "Sie forderten mich auf, zuzugeben mit Steinen geworfen zu haben, aber ich hatte nicht zu gestehen. Als es gar nichts mehr an Informationen gab, teilte man mir mit, dass ich frei gelassen werde. Aber zuerst sollte ich 5000 Shekel bezahlen. Aber wo sollte meine Familie das viele Geld her bekommen? Die Gebühr wurde später auf 2000 Shekel verringert, als das Gericht feststellte, dass meine Familie niemals bezahlen konnte. Wir sind 11 Menschen zu Hause und wir sind arm. So sagten sie mir, ich würde Sonntag oder Montag freigelassen. Und Gott sei es gedankt, ich wurde entlassen und nun bin ich frei."
Omar wollte gerne seine Eltern anrufen und ihnen sagen, dass er auf dem Heimweg sei. Ein freundlicher Mitfahrer lieh ihm sein eigenes Handy. "Sie ließen mich frei und ich bin auf dem Heimweg zu Euch!" Er sprach zu seiner Mutter und die Augen des Jungen füllten sich mit Tränen und er sprach dann noch mit seinem Vater. "Sie werden auf dem Weg auf mich warten!" Immer wieder erzählte Omar das voll Freude im Taxi. "Sie kennen den Weg des Autos!"
Als das erledigt war, bat ihn der Handybesitzer nach seinen Erlebnissen zu fragen: "Ich schlief im meinem Zimmer, als mein Bruder leise hereinkam und mich weckte. Er sagte mir, dass die Besatzungstruppen unser Haus umstellt hätten. Nach einigen Minuten begann das erwartete Poltern gegen unsere Tür und das Gebrülle: Aufmachen! Aufmachen! Ich zog mich rasch an. Die Soldaten waren schon in unser Haus eingedrungen und alle meine Angehörigen, auch meine kleine Schwester die mit hohem Fieber im Bett liegen sollte, wurden aus dem Haus getrieben. Dann kamen sie in mein Zimmer und durchwühlten es.
Der Junge fuhr fort, "Einer der Soldaten fragte nach meinem Namen. Ich sagte, Omar Ismail Sabah. Der Soldat brüllte mich an: Wir haben deinen Namen hier aber anders - Omar Ismail Rabah! Du lügst! Und dann begannen sie mich zu schlagen. Ein Offizier, der die Vernehmung führte, sagte mir, dass sie mich nach Etzin ins Gefängnis bringen würden. Dort sollte ich schildern, wie ich Steine geworfen hätte und einen israelischen Siedler, der in der Hauptstraße von Taqa fuhr, dabei verletzt hätte. Da begann meine Mutter im Zimmer zu protestieren. "Er ist doch noch ein Halbwüchsiger. Nur 16 Jahre alt!" Der Soldat kümmerte sich nicht darum und brachte mich zu einem Militärfahrzeug.
Omar war nicht alleine im Gefängnis. "Sie brachten mich und 2 meiner Vettern in das Etzion Gefängnis Zentrum und traten und schlugen uns den ganzen Weg. Das machten sie noch weitere 2 Stunden nach unserer Ankunft. Ich erlebte das nicht das erste Mal, schon einmal sperrten sie mich 8 Monate lang ein."
Der 16-jährige erzählte weiter: "Sie sperrten uns in Einzelzellen. Nach etwa 10 Tagen erfuhr ich, dass meine Vettern schon wieder frei gelassen wurden, weil sie gestanden hatten, Steine auf einen Armee-Jeep geworfen hatten. Aber sie hatten das nie gemacht. Sie wollten nur aus dem Gefängnis raus. Gut, ich würde nicht einfach zugeben, einen Stein auf einen Siedler und dessen Wagen geworfen zu haben. Weil ich nichts getan habe. So entschieden sie, mich nach Ramle zu verlegen. Ich war hungrig und müde und traurig wegen der Einsamkeit. Ich bekam nur Brot 1 Apfel pro Tag."
Der Junge wurde also ins Ramle-Gefängnis gebracht, innerhalb Israels nahe Tel Aviv. "Im Gefängnis saß ebenfalls eine Gruppe Kinder. Einige sollten Informationen für die Besatzer sammeln. Sie versuchten immer wieder, dass ich zugeben sollte Steine geworfen zu haben. Aber da gab es nichts zu berichten. So verwirrte ich sie, indem ich "im Schlaf sprach" und versuchte mich weiter auf andere Weise vor diesen zu schützen. Auch die Israelis versuchten immer wieder ein Geständnis zu bekommen. Oder das ich sagen solle, das ich die andere Kinder Steine werfen gesehen hätte. Ich sagte nichts und das Gericht entschied, mich nicht weiter zu bedrängen.
Der Junge wurde immer erregter, als er sich dem Ende seiner Fahrt näherte. "Ich freue mich, in mein Leben zurückzukehren. Nun möchte ich meinen Schulabschluss der 10. Klasse in der Taqa-Sekundarschule machen. Aber schnell erinnerte er sich daran, wie alles anders kommen kann und fragte: "Die Schule ist doch noch in Betrieb?"
PNN, 22.02.2007
Für Freunde Palästinas
(en-dt: Walter Bornholdt)