Palästina-Flagge beim Eurovision Song Contest

Genau in dem Moment, als die Musiker das Ergebnis des Zuschauer-Votings erhielten, hielt die isländische Gruppe Hatari, vor 7300 Zuschauern in der Halle und 200 Millionen am Fernseher, Schals mit der Aufschrift "Palästina" in die Kameras hoch. Sicherheitskräfte versuchten, den "Hatari"-Mitgliedern die Schals abzunehmen. Band hatte vor ihrem Auftritt Israel als "Apartheid"-Staat bezeichnet. Insgesamt nahmen am ESC in diesem Jahr 41 Länder teil, davon 26 im Finale. Die Band Hatari konnte Teile des Publikums mit ihrem Auftritt durchaus überzeugen. Von den europäischen und australischen TV-Zuschauern bekam die Gruppe immerhin 186 Punkte zugesprochen.

Boykottaufrufe von pro-palästinensischen Gruppen, die Israel wegen der Besetzung der Westbank und der Abriegelung des Gaza-Streifens kritisieren, liefen aber weitgehend ins Leere. Das isländische Fernsehen könnte von der "European Broadcasting Union" für das Verhalten von Hatari noch gemaßregelt werden.

Die Aktion der Isländer war allerdings nicht die einzige politische Nachricht, die während der Show kundgetan wurde: Bei Madonnas Auftritt waren auf den Jacken ihrer Tänzer sowohl israelische als auch palästinensische Flaggen zu sehen. 

Die anti-israelische Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) hatte bereits Anfang des Jahres in einem offenen Brief zum Boykott der Austragung des Eurovision Song Contests 2019 in Israel aufgerufen. Roger Waters, einer der überzeugtesten Vertreter des BDS, hatte noch versucht, Madonna von diesem Auftritt abzubringen. 

Schwangere und ihr Kleinkind bei israelischem Angriff ermordet

Im Gazastreifen starben am Samstag nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums eine Schwangere und ihr 14 Monate altes Kind, als die Luftwaffe der israelischen Besatzung mehrere Ziele in Gaza bombardierte. Bei einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf die Stadt Aschkelon hat ein Mann in der Nacht zum Sonntag tödliche Verletzungen erlitten.

Israelische Panzer beschossen und Kampfflugzeuge nach Angaben der israelischen Besatzung rund 120 Ziele. Ein Sprecher der Besatzungsarmee erklärte, in den kommenden Stunden würden die „offensiven Anstrengungen“ im Gazastreifen noch erhöht.

Am Freitag waren bei den gewaltsamsten Protesten seit Wochen an der Grenze vier Palästinenser ermordet sowie zwei Besatzungssoldaten verletzt worden. 50 weitere palästinensischen Demonstranten wurden durch Schüsse israelischer Besatzungssoldaten verletzt. Nach Angaben der Besatzungsarmee beteiligten sich etwa 7400 Palästinenser an den Demonstrationen.

Israel und Palästinenser hatten sich vor der israelischen Parlamentswahl am 9. April auf einen von Ägypten vermittelten Waffenstillstand verständigt. Wochenlang flauten die Auseinandersetzungen merklich ab. Am Dienstag schränkte Israel den Fischereibereich für Schiffe aus dem Gazastreifen ein. Seither nahmen die Spannungen wieder zu.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu beriet mit Vertretern des Sicherheitsapparats über die Lage. Die Grenzübergänge für Menschen und Waren nach dem Gazastreifen wurden geschlossen und die Fischereizone vor der Küste des Gazastreifens gesperrt.

Bereits seit gut einem Jahr finden jeden Freitag Demonstrationen entlang der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel statt. Seitdem wurden mehr als 270 Palästinenser ermordet, die meisten von ihnen an der Grenze.

Gaza: Israel zerstört die Nachrichtenagentur Anadolu

Bei einem der Luftangriffe wurde Augenzeugenberichten zufolge auch ein sechsstöckiges Gebäude im Westen von Gaza-Stadt zerstört, in dem sich das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befand.

Anadolu berichtete, das Gebäude, in dem sich das Büro der Agentur befunden habe, sei durch fünf Geschosse der israelischen Luftwaffe zum Einsturz gebracht worden. Die Nachrichtenagentur veröffentlichte ein Video von den Trümmern eines Gebäudes. Die Anadolu-Mitarbeiter waren den Angaben zufolge nach einem Warnschuss kurz vor dem Beschuss in Sicherheit gebracht worden. Niemand sei verletzt worden.

Der Vorfall könnte die Spannungen zwischen der Türkei und Israel weiter anheizen. „Das Zielen auf die Agentur Anadolu in Gaza ist ein weiteres Beispiel für die grenzenlose Aggressivität Israels“, schrieb der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf Twitter. „Die wahllose Gewalt Israels gegen Unschuldige ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

US-Regierung stellte sich hinter Israel

Die US-Regierung stellte sich hinter Israel. "Wir stehen auf der Seite Israels und unterstützen sein Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Morgan Ortagus. Sie verurteilte "die anhaltenden Raketenangriffe der Hamas und des palästinensischen Islamischen Dschihad aus Gaza auf unschuldige Zivilisten und ihre Gemeinden in ganz Israel".

Die Türkei hat die internationale Gemeinschaft wegen Israels Vorgehen zum Handeln aufgerufen. "Wir verurteilen nachdrücklich die nicht differenzierenden Angriffe Israels im Gazastreifen, die dazu geführt haben, dass viele unschuldige Menschen ihr Leben verloren oder sich verletzt haben", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Ankara. "Wir fordern die internationale Gemeinschaft dringend auf, Maßnahmen zu ergreifen." Deren Ziel müsse es sein, die Spannungen in der Region abzubauen.

Uno ruft zur Mäßigung auf

Der Uno-Nahost-Gesandte Nikolaj Mladenow erklärte, die Vereinten Nationen arbeiteten mit Ägypten darauf hin, wieder Ruhe herzustellen. Alle Konfliktparteien seien aufgerufen, zu „deeskalieren“ und sich wieder an jüngste Vereinbarungen zu halten, mahnte er.

 

Die Europäische Union forderte ein sofortiges Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und eine Deeskalation des Konflikts. Israelis und Palästinenser hätten „beide das Recht, in Frieden, Sicherheit und Würde zu leben“, fügte EU-Sprecherin Maja Kocijancic in einer Erklärung hinzu.