Marsch der Rückkehr: Es sei ein Massaker, verübt am palästinensischen Volk.

Es sei ein Massaker, verübt am palästinensischen Volk. So beschreibt es zumindest der palästinensische UN-Vertreter Riyad Mansour. Am Nachmittag New Yorker Zeit trat er an das Rednerpult vor der Tür des Sicherheitsrates, des Gremiums also, dem er vorwirft, nichts zu tun, um die Gewalt zu stoppen und die Vorfälle unabhängig zu untersuchen, nicht also allein durch Israel.

"Unserer Meinung nach ermutigt der Sicherheitsrat Israel, mit dem Angriff auf unser Volk weiterzumachen, indem er seine Verantwortung auch weiterhin nicht wahrnimmt. Wir lehnen das ab", sagte Mansour. Vor einer Woche war der Sicherheitsrat nur ein paar Meter von diesem Rednerpult entfernt zusammen gekommen - ergebnislos. Eine Erklärung, die den UN-Generalsekretär mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt hätte, wurde nicht verabschiedet.

Kuwait hatte damals die Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates verlangt. Der kuwaitische UN-Botschafter steht auch jetzt wieder verlässlich an der Seite des palästinensischen Kollegen: "Erneut wiederholen wir die Aufforderung des Generalsekretärs nach einer unabhängigen und transparenten Untersuchung dieser Vorfälle. Außerdem ist es wichtig, Palästinensern internationalen Schutz zu gewähren."

Human Rights Watch kritisiert Israel

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte das Vorgehen Israels bei den Massenprotesten am Freitag als völkerrechtswidrig. "Israelische Soldaten haben nicht nur exzessiv Gewalt angewendet", sagte der stellvertretende Nahost-Direktor Eric Goldstein. "Sondern sie haben offensichtlich Befehle befolgt, die nichts als eine blutige militärische Antwort auf die palästinensischen Demonstrationen sicherstellten."

Das Ergebnis seien "vorhersehbare Tode und Verletzungen der Demonstranten" auf der anderen Seite der Grenze gewesen. Diese seien dabei keine "unmittelbare Bedrohung für das Leben" der Soldaten gewesen. Goldstein verwies unter anderem auf vorherige Aussagen der Armee, mehr als 100 Scharfschützen an der Grenze zu postieren.

Am Karfreitag waren bei Protesten im Gazastreifen mindestens 18 Palästinenser erschossen worden. Die Demonstranten wollten das Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in ihre Heimatorte untermauern. Israel lehnt die Rückkehr ab.

Israel bedroht Demonstranten weiter

Israel hält an seinem harten Vorgehen gegen die palästinensischen Massenproteste am Grenzzaun zum Gazastreifen fest. Wer sich der Grenze nähere, riskiere sein Leben, sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman.

Bei den Protesten wurden nach palästinensischen Angaben 18 Menschen von israelischen Sicherheitskräften erschossen und mehr als 750 verletzt. Die Proteste sollen nach dem Willen der im Gazastreifen regierenden fundamentalistischen Hamas sechs Wochen dauern.

US-Senator kritisiert Israel scharf

Der US-Senator des Bundesstaates Vermont Bernie Sanders, bewertete in einer CNN-Nachrichtensendung die Erschießung von 17 Palästinensern durch israelische Besatzungssoldaten als eine scharfe Reaktion Israels. Er akzeptiere die Erklärungen der israelischen Führung im Zusammenhang mit der Erschießung der palästinensischen Demonstranten nicht.

Sanders wies darauf hin, dass mehrere Tausend Menschen eine friedliche Demonstration veranstaltet hat. Doch hätten israelische Soldaten 15-20 palästinensische Demonstranten getötet und zahlreiche weitere verletzt. Dies sei eine schwierige Situation, doch er bewerte dies als eine scharfe Reaktion Israels.

In Gaza herrsche jetzt Katastrophe. Für die Lösung der Probleme in der Region müsse die von den USA angeführte internationale Koalition endlich die Initiative ergreifen. Wenn nichts gegen diese Tragödie in Gaza unternommen werde, so würden die Proteste anhalten.

Sanders bezeichnete die Erschießung von palästinensischen Demonstranten als eine Tragödie. Jeder habe das Recht auf eine friedliche Demonstration, ohne mit Gewalt konfrontiert zu werden.

Anzahl der Todesopfer steigt

Ein 29-jähriger Palästinenser ist seinen Schussverletzungen erlegen, wie das Gesundheitsministerium in Gaza am Montag mitteilt. Damit steigt die Zahl der am Freitag bei Massenprotesten an der Grenze des Gazastreifens getöteten Palästinenser auf 18.

Die Palästinenser waren beim "Marsch der Rückkehr" von israelischen Besatzungssoldaten ermordet worden. In palästinensischen Krankenhäusern waren nach den Protesten bereits 15 Leichen identifiziert worden. In Israel befänden sich die Leichen von zwei Palästinensern, hatte Israel am Sonntag mitgeteilt.

Zehntausende Palästinenser waren am Freitag an die Grenze zu Israel gekommen. Sie forderten am „Tag des Bodens“ im gemäß der Vereinten Nationen von Israel besetzten Gazastreifen ein „Recht auf Rückkehr“ in jene Dörfer und Städte, aus denen ihre Familien bei der Gründung Israels 1948 geflüchtet oder vertrieben worden waren. Israel lehnt eine Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge ab.

Das Gesundheitsministerium gab die Zahl der Verletzten mit 1.400 an. Demnach wurden 757 Menschen von scharfer Munition, die übrigen von Gummigeschossen und Tränengas getroffen.