Ahed die Ikone des Widerstands gegen israelische Besatzung

Am 15. Dezember verpasste eine jugendliche mit der auffälligen blonden Lockenmähne einem israelischen Besatzungssoldaten vor laufender Kamera eine Ohrfeige, was zu ihrer Festnahme führte. Ein Handyvideo von dem Vorfall verbreitete sich rasch in den sozialen Netzwerken. Darin sind Tamimi, ihre Mutter und ihre Cousine zu sehen. Die Jugendliche und ihre Cousine nähern sich zwei israelischen Besatzungssoldaten, die sich in ihrem Vorgarten ihres Hauses in dem Dorf Nabi Saleh bei Rahmallah aufzuhalten scheinen. Die schwer bewaffneten Besatzungssoldaten provozierten dabei die Tamimis. Sie forderten die Besatzungssoldaten auf, vom ihrem Haus zu verschwinden - dann schubsen, treten und ohrfeigen sie die Besatzungssoldaten.

Wenige Tage nach dem Vorfall wurden die drei Frauen festgenommen. Am Montag soll Ahed Tamimi wieder freikommen. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas rief nach dem Vorfall ihren Vater an und lobte den Widerstand der Familie gegen die israelische Besatzung, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. In sozialen Netzwerken wird die 16-Jährige für ihren "Mut gegenüber Schurken" gelobt und als "so viel wert wie tausend Männer" gepriesen.

Ihr Vater Bassem Tamimi wurde vor einigen Jahren in Israel inhaftiert und ist bei Demonstrationen bis heute häufig ganz vorne dabei. Ihm und dem Rest der Familie wird vorgeworfen, ihre junge Tochter für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Der Vater schreibt die Prominenz seiner Tochter auch ihren langen blonden Locken und ihren "westlichen" Kleidern zu: "Wenn sie verschleiert und dunkelhäutig wäre, würde sie dann dieselbe Aufmerksamkeit bekommen?", fragt er.

Die 2001 geborene Ahed Tamimi wuchs in diesem Umfeld des Widerstands auf. "Ich kann nicht an meine Zukunft denken, weil die Besatzung mich daran hindert", sagt sie in einem Video vom Februar 2017. Das Mädchen wollte früher Profi-Fußballerin werden, wie Aheds Vater sagt. Heute träume sie davon, Jus zu studieren - "um ihre Familie und ihr Dorf verteidigen zu können".

An dem Tag, an dem die 16-Jährige die israelischen Soldaten angriff, wurde auch andernorts im Westjordanland demonstriert: Gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump von Anfang Dezember, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen. Seitdem reißen die Proteste der Palästinenser nicht ab, es gab Tote und viele Verletzte.