Sänger vergleicht inhaftierte Palästinenserin mit Anne Frank

Ein israelischer Sänger hat mit einem Vergleich zwischen einer 16-jährigen inhaftierten Palästinenserin und der von den Nazis ermordeten Jüdin Anne Frank für Empörung gesorgt.

Verteidigungsminister Avigdor Lieberman teilte am Dienstag mit, er habe den Armeesender angewiesen, keine Lieder des Sängers Jonathan Geffen mehr zu spielen und diesen nicht mehr zu interviewen. Nach Angaben des israelischen Generalstaatsanwalts ist Lieberman dazu allerdings nicht befugt.

"Der Staat Israel wird keine Bühne liefern für einen Trinker, der vergleicht zwischen einem Mädchen, das im Holocaust ums Leben kam und das Nazi-Regime heldenhaft bekämpft hat und Ahed Tamimi, einer Göre, die einen Soldaten attackiert hat", sagte Lieberman.

Tamimi hatte im vergangenen Monat einem Besatzungssoldaten vor laufender Kamera ins Gesicht geschlagen und damit großes Aufsehen erregt. Israel hat sie wegen tätlichen Angriffs angeklagt, sie muss bis Ende des Verfahrens in Haft bleiben.

Geffen hatte dazu bei Instagram geschrieben, Tamimi habe mit der Ohrfeige auf 50 Jahre israelischer Besatzung reagiert. In der Geschichte werde sie in einer Reihe stehen mit der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc, der jüdischen Widerstandskämpferin Hannah Szenes und Anne Frank.

Die niederländische Jüdin Anne Frank lebte von 1942 bis 1944 mit ihrer Familie im Versteck vor den Nationalsozialisten und schrieb dort auch das weltberühmte Tagebuch. Die Untergetauchten wurden 1944 verraten und in Konzentrationslager deportiert. Anne Frank starb im Frühjahr 1945 im Alter von 15 Jahren in Bergen-Belsen.