Jerusalem: Israel erpresst die Palästinenser

Israel lässt erstmals seit fast zehn Jahren wieder ein Expertenteam der UNESCO in die Altstadt von Jerusalem einreisen. Es soll den Zustand des Kulturerbes im arabisch geprägten Osten der Stadt untersuchen.

Insbesondere der Schutz der Altstadt sowie der historischen Stadtmauer sollten dabei geprüft werden, teilte das jordanische Königshaus in Amman mit. Die Experten sollen ihre Arbeit am 15. Mai aufnehmen. Ihre Ergebnisse sollen noch vor der nächsten Sitzung des Weltkulturerbe-Komitees vom 16. bis 27. Juni in Kambodscha vorgestellt werden.

Nach Berichten der israelischen Tageszeitung Haaretz erlaubt Israel der UNESCO die Inspektion einer Reihe von Projekten in der Jerusalemer Altstadt. Ausgeschlossen sei der Besuch des Al-Haram Al-Sharif  und der umstrittenen Fußgängerrampe am Marokkaner-Tor. Ebenfalls stimmte Israel den Angaben zufolge einem Treffen mit jordanischen und palästinensischen Experten sowie Fachleuten der UNESCO zu, um die Frage des Zugangs zum Al-Haram zu besprechen.

Im Gegenzug sollen sich die Palästinenser verpflichten, die Eingabe fünf israelkritischer Resolutionen beim UNESCO-Ausschuss um ein halbes Jahr zu verschieben.

Die UNESCO hatte in Resolutionen bekräftigt, dass die von Israel seit 1967 besetzten palästinensischen Gebiete  einschließlich Ost-Jerusalems nach wie vor den Status eines militärisch besetzten Gebietes innehaben und Israel lediglich die Rechte und Pflichten einer Besatzungsmacht. Dies betrifft nach Ansicht der UN-Kulturorganisation auch die Bauarbeiten und archäologischen Forschungen am Mughrabi-Tor. Hier müsse sich Israel mit allen Seiten beraten. Das Mughrabi- oder Marokkaner-Tor ist der einzige Zugang für Touristen und israelische Sicherheitskräfte zum Al-Haram.

Der jordanische König Abdallah II. und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten im vergangenen Monat ein Abkommen unterzeichnet, das die Rolle Jordaniens als Wächter der historischen islamischen Stätten in Jerusalem bestätigt. Diese Funktion übt das Königreich seit 1924 aus. Im von Israel besetzten Osten der Stadt befinden sich mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee zwei der wichtigsten religiösen Stätten des Islam.