Dichtung des palästinensischen Widerstands
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Die Palästina-Frage tauchte nicht erst auf mit dem 6 Tage-Krieg von 1967. Sie hatte schon 1882 Wurzeln geschlagen,
als erste osteuropäische Juden nach Palästina einwanderten. Diese ersten fremden Siedler auf palästinensischem Boden
ebneten sozusagen den Boden für den Zionismus. Schon 1897 forderte Theodor Herzl, österreichischer Journalist, als
Präsident des 1. Zionistenkongresses in Basel die Gründung eines "Judenstaates" in Palästina. Während sich Frankreich und
England um das Erbe des Ottomanischen Reichs "des kranken Manns am Bospurus" stritten, rang der Zionistenführer Lord
Rothschild im Jahre 1917 dem damaligen britischen Außenminister A.J. Balfour in einem Brief das Versprechen ab, für die
Gründung einer "Nationalen Heimstätte der Juden" in Palästina Hilfe zu leisten. Dieses Versprechen hatte zur Folge, dass
sich die Einwanderung jüdischer Emigranten nach Palästina verstärkte, aber auch der Widerstand der Palästinenser gegen
die Einwanderer, die sie von ihrem Land verdrängten. Als die Juden 1948 den Staat Israel Verkündeten, kam es zum ersten
Israelisch-Arabischen Krieg. Seither befindet sich das "Heilige Land" im Kriegszustand und Hunderttausende von Palästinensern
wurden von den Israelis aus ihrer Heimat vertrieben. Die Araber, die den ersten jüdischen Einwanderern die für sie sprichwörtliche Gastfreundschaft gewährt hatten, fingen an, sich gegen die strategische Vorgehensweise ihrer ungebetenen Gäste zu wehren. Nach der Gründung des Staates Israel bildeten sich die palästinensischen Befreiungsorganisationen mit der PLO als Dachorganisation mit ihrem Vorsitzenden Jasser Arafat, dem heutigen Präsidenten der autonomen palästinensischen Regierung. Im Kampf zur Befreiung ihres Landes haben die Palästinenser alle ihnen zur Verfügung stehenden Waffen eingesetzt, selbst Kinder haben mit Steinen geworfen in der ersten Intifada 1987 und in der zweiten, die wir heute erleben, nachdem die Friedensverhandlungen im September 2000 abgebrochen wurden. Aber auch die Literatur hat mit großem Mut beim Widerstand gegen die Invasoren ihren nicht zu unterschätzenden Beitrag geleistet. "Normalerweise wurde Literatur von Widerstandsbewegungen der verschiedenen Völker aus verständlichen Gründen nach der Befreiung veröffentlicht. In Palästina aber ist es notwendig, daß der arabische Leser im allgemeinen und der ausgewanderte insbesondere auf dem Laufenden über diese Literatur ist, da sie im Wesentlichen ihn selbst zum Thema hat und ihn wie die Araber im besetzten Gebiet anspricht(2). Um sich Gehör zu verschaffen, mußte sie jedoch einen beschwerlichen Weg zurücklegen, da die arabische Literatur im allgemeinen begann, sich neu zu orientieren und die palästinsische ihr nur langsam folgen konnte aufgrund der erschwerten Umstände in ihrem Land, in dem die Gesetze von der Besatzungsmacht diktiert wurden. Deshalb hatte die Dichtung den Vorrang, da sie mündlich verbreitet werden konnte, die aber durch die Abgeschlossenheit weiterhin die traditionelle Form bewahrte. Gleichzeitig wurde die Volksdichtung zu einer unerschütterlichen Festung des Widerstands. Die folgenden Verse(3) stammen von einem unbekannten Dichter, die er in der Nacht vor seiner Hinrichtung weitergab: O Nacht, laß den Gefangnen trauern, der Morgen wird bald grauen. Dann wird der Wind den Gehängten wiegen, dessen Gläser zerbrochen und verloren die Lieben. O Nacht, beende all meine Sorgen, vielleicht hab ich vergessen, wer ich bin, vergessen meine Seufzer. O Unrecht, wie gingen meine Stunden durch dich dahin? Halt meine Tränen nicht für Angst, ich weine über mein Land Und über das Häuflein hungriger Kücken im Haus. Wer wird sie ernähren, wenn ich nicht mehr bin? Meine Brüder? Sie hauchten vor mir schon ihr Leben am Galgen aus. Und morgen, wie wird meine Frau ihren Tag verbringen? Mit ihrem Weh über mich oder über die Kinder? Ach, hätt ich doch den Reifen an ihrer Hand gelassen am Tag als der Krieg mir zurief: Komm, kaufe Waffen! Von Engangement in der Dichtung des palästinensischen Widerstands kann allerdings erst die Rede sein seit Erscheinen heute berühmter Dichter wie Fedwa Tauqan, Mahmoud Darwich, Samih al-Kassem und Taufik Zayad. Für dieses Buch habe ich eine Auswahl der eindrucksvollsten ihrer Gedichte getroffen, die das langjährige Elend und die ganze Problematik des palästinensischen Volkes widerspiegeln. Damaskus, 01.05.2002 |